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Schnellfassung

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Er heißt Collin

 

Er ist 18, 19 Jahre alt.

 

Er ist Student, arbeitslos, Krankenpfleger, irgendetwas

 

Er schreibt eine Hausarbeit, Glückskekszettelchen, dieses Blog.

 

Er isst permanent, Tiere ,Kinder, nur Salat, keine Möhren

 

Er hat Angst vor Omas im Park, gelben Ampeln, Lindsay Lohan

 

Manchmal hat er Spaß ,nichts nützliches beizutragen, viel zu viel Zeit.

 

Er spielt SMW, Leben oder Leben lassen, mit Feuer und liest Blogs, Kalender, Bücher.

 

Sein Leben ist nicht auszuhalten, ein kompletter Fehlschlag, ziemlich unterhaltsam, zu anstrengend, eben so.

 

Er hasst Oberärzte, Politessen, Menschen allgemein

 

Wenn er mal groß ist, wird er ein Einhorn, Überarzt, menschlicher, nichts.

 

Bis dahin hält er brav irgendwie nicht durch.
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Schon als Kind habe ich immer zu einer sehr ausgeprägten Vermenschlichung von Gegenständen tendiert. Vielleicht schon fast besorgniserregend.
Beispielsweise erinnere ich mich daran, als ich mir mit fünf Jahren beim Spielen in diversen Matschpfützen irgendeine Krankheit eingefangen hatte, die man sich beim Spielen in Matschpfützen eben einfängt. Ich lag jammernd und fiebernd im Bett und hustete und schnäuzte wertvolle Kindheit aus mir heraus, während meine des Tadelns, nicht in Matschpfützen herumzuspringen, müde gewordene Mutter murrend literweise Tee und Suppe und löffelweise Hustensaft heranschleppte und in mich abfüllte. Als das Zusammenspiel der Flüssigkeiten endlich die herbeigefieberte Wirkung offenbarte und ich mich, noch nicht wie gewohnt mit Schallgeschwindigkeit doch unter Ächzen, irgendwie bewegen konnte, begann in mir die Sorge, um das mir in dieser schweren Zeit beistehende, treue Plüschtierreich in meinem Bett, zu wachsen. 


Ich habe immer zu diesen Kindern gezählt, die nicht mit reinem Gewissen ein einzelnes Plüschtier bevorzugen können, ohne ein kinderherzbelastendes schlechtes Gewissen zu erhalten. Daher lag abends meine Hauptbeschäftigung darin, jedem Mitglied meiner zugegeben beachtenswerten Kuschelgefolgschaft die gleiche Menge Liebe und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, was unter Anderem regelmäßige Schlafplatzwechsel von diversen Bären, Schlangen, Pokémons und Ähnlichem zur Folge hatte.
Jeden Abend wanderte das gesamte Tierreich von einer Ecke in die nächste und die Eule löste den Löwen an seinem privilegierten Schlafplatz in meinen Armen ab. Zwar mochte ich den Löwen lieber als die Eule und den Tiger lieber als den Löwen, doch ich verbot es mir strengstens, Bevorzugungen in meinem Bett auch nur in Erwägung zu ziehen. Stahlen sich meine Gedanken dennoch zu solch einem Frevel, wusste ich bereits, dass mich die traurigen Augen der Zurückgewiesenen in der folgenden Nacht strafend anstarren und wach halten würden.
Liebe, das beschloss ich damals, muss immer wohl durchdacht verteilt werden, damit sie Allen in gerechtem Maß verabreicht werden kann. Zurückweisung ist indiskutabel und grausam.

Wie ich nun also dort lag, unter der geballten Wärme vieler knopfbeäugter Stoffleiber die Krankheitserreger herausschwitzend, wurde mir mit einem kalten Schweißausbruch klar, dass sich die Bakterien sicherlich auch in meine alle gleich geliebten Lieblinge verkrochen haben. Immerhin hielten sie schon seit Tagen beharrlich Wache an meiner Seite, auf mir und zu meinen Füßen und hatten sich natürlich längst selbst angesteckt. Als ihr Beschützer musste ich also etwas unternehmen, um ihre Gesundheit wiederherzustellen. Ich beschloss, das Bett ihnen zu überlassen, um den Krankheitsherd damit zu entfernen und auf dem Boden vor dem Bett weiter gesund zu werden. Da mir sowieso warm genug war, überließ ich meine Bettdecke den kranken Plüschbällen und schlief, beruhigt mit dem Wissen, das Richtige getan zu haben, auf dem Boden ein.
Jeder noch so penetrante Versuch seitens meiner Mutter, mich in den folgenden drei Tagen zurück in mein Bett zu zwingen, scheiterte. Ebenso die Versuche, mich auf einen anderen weichen Gegenstand zu platzieren und damit weg von meinen Patienten zu befördern.
Unnachgiebig hielt ich neben meinem Bett Wache, während meine entnervte Mutter jede verfügbare Decke anschleppte und mir pausenlos Vorwürfe  machte, ein hoffnungsloser Sturkopf zu sein.

Natürlich ist das alles ewig her. In Matschpfützen springe ich leider nur mehr sehr selten herum und meine Mutter ist sowieso nicht zur Stelle, um Tee in mich zu gießen. Und auch mein Plüschtierheer ist bis auf die letzte Fluse verschwunden.
Jedoch Gefühle gegenüber ganz offensichtlich nicht lebendigen Gegenständen kann ich bis heute nicht verleugnen. Und am intensivsten macht sich das bei Büchern bemerkbar.

Einer meiner größten Unfähigkeiten besteht darin, an einem Bücherwühltisch vorbeizugehen. Das sonst so unbemerkbare Herz bricht mir, wenn ich die achtlos hingeworfenen Seitenberge ihr ungeliebtes Bücherdasein durchleiden sehe. Ein besonders grausames Bild sind immer wieder die Büchertage in Buchhandlungen. Wenn gering geschätzte Bücher, in Plastikkisten zusammengepresst, hoffen, die Aufmerksamkeit eines barmherzigen Menschens zu erlangen, um dem sinnentleerten Leben als Buchwaise entkommen zu können. Zu Tausenden stehen sie aufgereiht, ihres eigentlichen Wertes beraubt, und klammern  sich an diese letzte Hoffnung. Irgendjemandem ins Auge zu stechen. Nicht unterzugehen.


“Mängelexemplar” steht auf Stickern, die auf sie geklebt wurden. Über Hunderte fragile Seiten voller Enthusiasmus, welche sie herabsetzen und für beinahe unbrauchbar erklären. “Nimm mich mit!”, rufen sie mir zu, wenn ich an ihnen vorbeigehe. “Lass mich nicht hier!”, fleht mich die zensierte Dieter-Bohlen-Biographie in meiner Hand an. In der anderen Hand beweint ein Helen-Fielding-Roman oder eine Erich-Kästner-Gesamtwerk seine preisreduzierte Existenz. Und ich höre Bildbände von Hundertwasser und Schmöker mit den 1000 besten Blondinenwitzen in diesen unendlich traurigen Kanon einstimmen, der aus unzähligen verstaubten Umschlägen brüllt: “Kauf’ uns! Gib’ uns Sinn!”
Ich rette so viele wie möglich. Aber es sind nie genug. Es bleiben immer welche zurück, die, die nicht mehr auf meine Arme gepasst haben. Und die, die es geschafft haben, trage ich mit unendlich schwerem Gewissen nach Hause Wenn ich die Überlebeneden zärtlich in meine Regale einordne, überkommt mich fast immer tiefe Verzweiflung.
Manchmal verfolgen mich die Bilder ihrer hängenden Eselsohren bis in die Nacht. Ihr schreienden Umschlagfarben kreischen in meinen Träumen und rauben mir den Schlaf.
Es geschieht so viel Ungerechtigkeit. Besonders den Büchern ergeht es übel. Tut etwas dagegen! Kauft schlechte Bücher!

Gestern hat er Fotos von sich geschossen. Sich mehrmals um die eigene Achse vor dem Spiegel gedreht und dann einen anderen Pullover übergezogen. Selbes Spiel wiederholt. Mehrmals.
Ich stand rauchend am Fenster, Ellbogen aufgestützt und beobachtete grinsend.

 

Bauch einziehen.
Kamera hochhalten.
Lächeln.
BLITZ!
Nächste Runde.

 

Eben trat er wieder vor seinen Kleiderschrank. Mit babyblauem Hemd und ratlos, welche der zerknitterten Krawatten er tragen soll. Ich sehe ein grüne und eine, von der ich hoffe, dass keine Nici-Mäuse darauf gedruckt sind. Befürchte aber doch.
Er entscheidet sich für die grüne. Immerhin.
Kurz darauf verlässt er schwitzend die Wohnung. Mit Jackette und einem, in durchsichtige Folie eingewickelte,n Blumenstrauß in der Hand. Er trägt ihn verkehrt herum. Mit den Blüten nach oben.
Das Licht in seinem Zimmer hat er auch vergessen auszumachen.

Sie hatte sich scheinbar als Ziel vorgenommen, meinen Anblick auf ihrer Netzhaut zu verewigen, denn sie starrte nicht, wie anfangs angenommen, durch mich hindurch und auch nicht an mir vorbei ins Leere oder jemand anderem ins Gesicht. Sie hielt mich im Blick, zwei Sitzbänke weit entfernt und bemerkenswert konstant.
Dreißig Minuten hatte ich Zeit, so diskret auffällig wie möglich zu überprüfen, ob an mir irgendwelche Dinge oder Undinge irgendwo dran- oder raus- oder herunterhingen. Die Sonnenbrillen gegenüber, das Zugfenster, das Handy mehrfach als Spiegel missbraucht. Und im Kopf ein Schnelldurchlauf, aller erdenklicher Gemütszustände: Ich war sauer und beeindruckt, eingeschüchtert und verachtend, amüsiert und genervt, gelassen und angespannt. Und erschöpft, als sie dann endlich ausstieg. Lächelnd übrigens.

Kleines Konzert(chen)

1.) Über dich: Coldplay “Talk”
2.) Was denken Manche über dich: Tomte “Du bist den ganzen Weg gerannt” / The Fray – „Vienna“
3.) Was denkst du selbst über dich: Blackmail – „Never Forever“ / Muse – „Map of Your Head“
4.) Was denkt deine Ex-Freundin über dich: Joshua Radin – „Winter“
5.) Was denkst du über sie: Keane – „Your Eyes Open“
5.) Wie du sein willst: Casper – „Unzerbrechlich“
6.) Wie du lebst: Prinz Pi – „Der Druck Steigt“/ Muse- „Feeling Good“
7.) Wie du liebst: Muse – „Undisclosed Desires“
8.) Was würdest du dir wünschen, hättest du einen Wunsch: Depeche Mode/Marilyn Manson - Personal Jesus
9.) Weise Worte: Radiohead – „Climbing Up The Walls”

Sich aus dem Bett rollen, duschen wollen. Kein warmes Wasser, auch nicht nach einer halben Stunde. Hab ich das bestellt? NEIN!
Während ich mir zwanzig Minuten später schlecht gelaunt eine Salatschüssel voll Fruit Loops in den Hals schütte, erzählt mein Mitbewohner, es sei morgens ein Wagen durch die Gasse gefahren und habe angekündigt, dass aufgrund einer BLAHAHA in irgendeiner Straße bis KeinerHatNeAhnung-Uhr kein warmes Wasser mehr zu haben wäre.
Er vermutet, dass es sich wahrscheinlich um ein geplatztes Rohr handeln würde.
Währenddessen platze ich auch fast, vor Unzufriedenheit.
Anläuten hätten die müssen. Nervös lächelnd sich entschuldigen und gefälligst warten, bis ich geduscht habe. Dann nochmal entschuldigen und mir eine Tüte mit warmen Brötchen überreichen. Lächeln, sich mein Gemotze anhören und mir versprechen, dass sie die kaputte Glühbirne im Flur wechseln, wegen der ich geschätzte zwanzig Mal fast die Treppen runtergeschlittert bin.
Sich dann von mir in den Arsch treten lassen und mir beim Stufenrunterfallen noch einen ausgezeichneten Tag wünschen.

Stattdessen:  Wasser gekocht und mit Messbecher viel zu heißes Wasser über den Kopf gegossen. Dann doch kalt geduscht.  Zu spät zu Verabredung gekommen. Am Weg nach Hause dann von Wolken vollgepisst worden.
Wir haben nicht einmal Insekten in der Wohnung, die ich quälen könnte…

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